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Umgang mit unordentlichen Geschwistern – ein oft gemiedenes biblisches Thema

  • Andy Shamoon
  • 17. Dez. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Eine unbequeme, aber notwendige biblische Wahrheit


Viele Gemeinden scheuen sich davor, bestimmte Bibelstellen öffentlich zu lehren. Besonders dann, wenn sie klar, konfrontativ und gegen den Zeitgeist sprechen. 1.Korinther 5 gehört zweifellos dazu. Dennoch ist es Gottes Wort und damit verbindlich für die Gemeinde Jesu. Der Text stellt grundlegende Fragen zum Umgang mit Sünde innerhalb der christlichen Gemeinschaft, insbesondere dann, wenn Menschen sich als Christen bezeichnen, aber bewusst in einem unordentlichen Lebenswandel verharren.


Der Kontext von 1. Korinther 5

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth wegen eines öffentlich bekannten Falls von Unzucht:

„Überhaupt hört man von Unzucht unter euch, und zwar von einer solchen Unzucht, die selbst unter den Heiden unerhört ist…“ (1Kor 5,1)

Konkret geht es um einen Mann, der eine sexuelle Beziehung mit der Frau seines Vaters hatte. Nach dem Zusammenhang ist davon auszugehen, dass diese Beziehung vor der Eheschließung des Vaters stattfand, dennoch bleibt es Unzucht und ein schwerer Verstoß gegen Gottes Ordnung.

Bemerkenswert ist nicht nur die Tat, sondern die Reaktion der Gemeinde: Der Mann blieb Teil der Gemeinschaft. Paulus greift genau diesen Punkt scharf auf.


Gemeindezucht als biblisches Prinzip

Paulus fordert die Gemeinde auf, den Betreffenden „dem Satan zu übergeben“ (1.Kor 5,5). Diese Formulierung bedeutet keinen Fluch, sondern den Ausschluss aus der Gemeindeversammlung. Der Schutzraum der Gemeinschaft wird entzogen, damit die Sünde nicht weiter normalisiert wird und der Betroffene zur Umkehr kommt.

Der Apostel macht deutlich: Es reicht nicht aus, jemanden lediglich von Diensten auszuschließen oder ihm bestimmte Aufgaben zu entziehen. Solche Maßnahmen verändern den Lebenswandel nicht. Der konsequente Schritt ist die Trennung von der Gemeindeversammlung.


Bevor Paulus einzelne Sünden aufzählt, setzt er einen unmissverständlichen Rahmen:

„Jetzt aber habe ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich Bruder nennen lässt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist; mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen.“(1. Korinther 5,11)

Diese Aussage richtet sich ausdrücklich nicht an den Umgang mit der Welt, sondern an das Verhalten innerhalb der Gemeinde. Entscheidend ist dabei nicht, dass jemand fällt, sondern dass jemand ohne Buße und ohne Bereitschaft zur Korrektur in einem unordentlichen Lebensstil bleibt.

„Kein Umgang“ und „nicht einmal essen“ beschreiben einen Abbruch der geistlichen Gemeinschaft, nicht persönlichen Hass. Der Ausschluss dient dem Schutz der Gemeinde und der Klarheit darüber, dass Sünde nicht normalisiert werden darf.


Der Grund liegt in einem geistlichen Prinzip, das Paulus mehrfach betont:

„Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“ (Gal 5,9)

Geduldete Sünde bleibt nie privat. Sie wirkt sich auf das Denken, den Maßstab und letztlich auf die ganze Gemeinschaft aus. Wenn unordentlicher Wandel akzeptiert wird, beginnt die Gemeinde, ihre Grenzen zu verschieben, oft schleichend und unbemerkt.


Wer ist gemeint? – Die Liste in 1. Korinther 5,11

Paulus stellt klar, dass es nicht um Menschen außerhalb der Gemeinde geht, sondern um solche, die sich „Bruder“ nennen. Für sie nennt er sechs Bereiche, in denen anhaltender, unbußfertiger Lebensstil nicht toleriert werden darf.


1. Unzüchtige

Unzucht bezeichnet jede sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe. Die Bibel unterscheidet dabei zwischen Hurerei (unverheiratet) und Ehebruch (verheiratet).

„Um der Unzucht willen soll jeder seine eigene Frau haben.“ (1Kor 7,2)

Unzucht lässt sich nach biblischem Verständnis vermeiden – nämlich durch Ehe. Wird dieser Weg bewusst nicht gegangen und stattdessen eine sexuelle Beziehung gelebt, bleibt es Unzucht, unabhängig davon, wie sehr die Gesellschaft dies normalisiert oder sogar fördert.

Der Apostel Paulus geht noch einen Schritt tiefer und begründet, warum Unzucht für Christen eine besonders ernste Sünde ist:

„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott empfangen habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören!“(1. Korinther 6,19–20)

Der Leib eines Gläubigen gehört nicht mehr ihm selbst. Er ist ein Tempel des Heiligen Geistes. Unzucht bedeutet deshalb, dass etwas Geheiligtes mit Sünde verbunden wird. Paulus formuliert es drastisch:

„Flieht die Unzucht! … wer aber Unzucht verübt, sündigt an seinem eigenen Leib.“ (1. Korinther 6,18)

Es spielt dabei keine Rolle, wie die Welt zu diesem Thema steht. Die Gemeinde Jesu ist nicht berufen, weltliche Maßstäbe zu übernehmen, sondern Gottes Ordnung zu bewahren. Ein Christ, der bewusst und dauerhaft in Unzucht lebt und keine Umkehr zeigt, kann nach 1. Korinther 5 nicht Teil der Gemeindeversammlung bleiben, bis die Sache in Ordnung gebracht wird.


2. Habsüchtige

Habsucht beschreibt eine übersteigerte Gier nach Besitz und Vermögen, oft ohne Rücksicht auf tatsächlichen Bedarf oder Nutzen. Es ist ein innerer Zwang, immer mehr haben zu wollen und wird in der Bibel nicht als harmlose Charaktereigenschaft, sondern als ernsthafte geistliche Fehlhaltung betrachtet.

Habsucht kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Sie zeigt sich nicht nur in offenem Reichtumsstreben, sondern auch ganz praktisch im Gemeindeleben:

  • durch Diebstahl, etwa wenn jemand aus der Gemeinde stiehlt

  • durch ein Denken, das sich nahezu ausschließlich um Geld, Gewinn und Geschäft dreht

  • wenn Gemeinschaftszeiten vor allem genutzt werden, um über eigene Projekte, Umsätze oder Vorteile zu sprechen, statt über geistliche Inhalte

In all diesen Fällen wird sichtbar, worum sich das Herz tatsächlich dreht.

Die Bibel macht deutlich, dass Habsucht nicht nur materiell zu verstehen ist. Auch Ehebruch fällt unter diesen Begriff:

„Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten.“(2. Mose 20,17)

Ehebruch ist Habsucht am Nächsten. Wer die Frau eines anderen begehrt und sich ihr körperlich verbindet, nimmt sich, was ihm nicht gehört. Es handelt sich nicht um einen emotionalen Ausrutscher, sondern um eine bewusste Übertretung göttlicher Ordnung.

Wenn jemand Ehebruch begeht und gleichzeitig davon ausgeht, weiterhin ohne Konsequenzen Teil der kirchlichen Versammlung bleiben zu können, irrt er sich. Nach biblischem Maßstab ist ein solcher Mensch habsüchtig und diese Sünde wurde unter Gottes Volk Israel als besonders schwerwiegend angesehen. Sie wurde nicht verharmlost, sondern ernst genommen.

Habsucht richtet den Blick weg von Gott und hin auf das, was man besitzen will, sei es Geld, Einfluss oder ein anderer Mensch. Genau deshalb zählt Paulus sie in 1. Korinther 5 zu den Lebensweisen, die bei fehlender Umkehr nicht geduldet werden dürfen.


3. Götzendiener

Götzendienst beschränkt sich nicht auf Bilder oder Statuen. Alles, was Gott verdrängt, kann zum Götzen werden: Geld, Beziehungen, Erfolg oder Menschen. Auch Habsucht wird zu einer Art Götzendienst gezählt.

„…die Habsucht, die Götzendienst ist.“ (Kol 3,5)

Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe: Gott wird nicht mehr an erster Stelle geehrt.


4. Lästerer

Lästern beschreibt im biblischen Sinn kein bloßes Kritisieren oder das Benennen von Fehlverhalten. In der Schrift liegt der Schwerpunkt vielmehr auf dem bewussten Weitergeben von Unwahrheiten, um andere herabzusetzen, ihren Ruf zu schädigen oder Misstrauen zu säen.

Die Bibel kennt durchaus deutliche, auch harte Worte. Propheten, Apostel und sogar Jesus selbst haben Menschen und Zustände offen benannt und verurteilt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass sie Wahrheit aussprachen. Lästern hingegen arbeitet mit Verzerrung, Halbwahrheiten oder offenen Lügen.

Wie zerstörerisch diese Art des Redens ist, beschreibt die Schrift sehr treffend:

„Die Worte des Verleumders sind wie Leckerbissen; sie dringen in die verborgenen Kammern des Inneren.“(Sprüche 18,8)

Verleumderische Worte wirken oft harmlos oder sogar interessant. Gerade deshalb entfalten sie ihre Wirkung so tief. Sie prägen Gedanken, beeinflussen Urteile und vergiften Beziehungen, meist ohne dass der Schaden sofort sichtbar wird.

Lästern zerstört Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft. Es untergräbt Einheit und ersetzt Wahrheit durch Misstrauen. Aus diesem Grund zählt Paulus Lästerer in 1. Korinther 5 zu den Verhaltensweisen, die bei fehlender Umkehr nicht toleriert werden dürfen.


5. Trunkenbolde

Ein Trunkenbold ist jemand, der regelmäßig oder maßlos Alkohol konsumiert. Der heute als Alkoholiker bezeichnete Mensch ist nicht mehr in der Lage, seinen Alkoholkonsum zu kontrollieren, sondern lebt in einer Abhängigkeit, die sein Denken und Handeln bestimmt.

Die Bibel warnt deutlich: „Schau nicht auf den Wein, wenn er rötlich schimmert.“ Diese Aufforderung macht klar, dass es weise ist, fermentierten Wein ganz zu meiden, um gar nicht erst in Abhängigkeiten oder Kontrollverlust zu geraten.

„Schau nicht auf den Wein, wie er rötlich schimmert…“ (Spr 23,31)

Die Schrift diskutiert keine Grenzwerte, sondern ruft zur Nüchternheit auf:

„Wir aber, die wir dem Tag angehören, wollen nüchtern sein.“ (1Thess 5,8)

6. Räuber

Als Räuber bezeichnet die Bibel Menschen, die sich durch Diebstahl, Betrug oder ungerechte Aneignung bereichern. Dabei geht es nicht nur um offensichtlichen Diebstahl, sondern um jede Form des Nehmens dessen, was einem nicht gehört.

Die grundlegende biblische Linie wird bereits in den Zehn Geboten festgelegt:

„Du sollst nicht stehlen.“(2. Mose 20,15)

Dieses Gebot macht deutlich, dass jede Form von Raub oder Diebstahl Gottes Ordnung widerspricht und nicht mit einem Leben nach seinem Willen vereinbar ist.

Der neutestamentliche Maßstab zeigt zudem, wie echte Umkehr aussieht:

„Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen abzugeben habe.“(Epheser 4,28)

Umkehr bedeutet hier nicht nur, mit dem Stehlen aufzuhören, sondern einen grundlegend veränderten Lebensstil zu führen, weg vom Nehmen, hin zum Geben. Ein dauerhaft räuberischer Lebenswandel ohne Bereitschaft zur Umkehr kann daher nach 1. Korinther 5 nicht Teil der Gemeindeversammlung bleiben.


Verantwortung statt Gleichgültigkeit

Paulus macht deutlich, dass die Verantwortung nicht beim Einzelnen allein liegt, sondern bei der Gemeinde als Ganzes. Der Ausschluss unordentlicher Geschwister ist kein Akt der Lieblosigkeit, sondern eine notwendige Maßnahme zum Schutz der Gemeinschaft und zur Wiederherstellung des Betroffenen. Dieses Prinzip steht im Einklang mit Jesu Worten in Matthäus 18,15–17, wo ein klarer Weg im Umgang mit anhaltender Sünde aufgezeigt wird.

Zugleich ist das Ziel biblischer Gemeindezucht immer Wiederherstellung. Wenn ein Mensch seine Schuld erkennt, umkehrt und sein Leben sichtbar ordnet, einschließlich, wo möglich, der Wiedergutmachung, dann steht der Weg zurück in die Gemeinschaft offen. Ausschluss ist kein endgültiges Urteil, sondern ein zeitlich begrenzter Schritt mit dem Ziel, dass der Betroffene wiederhergestellt und erneut in die Gemeinde aufgenommen wird.


Schlussgedanken

1.Korinther 5 fordert heraus, auch heute. Der Text stellt die Frage, ob Gemeinden bereit sind, Gottes Maßstäbe höher zu achten als gesellschaftliche Akzeptanz. Eine gesunde Gemeinde lebt nicht von Perfektion, sondern von Wahrheit, Klarheit und echter Umkehrbereitschaft.

Gnade ohne Wahrheit verliert ihre Kraft. Wahrheit ohne Gnade verliert ihr Ziel. Die Bibel hält beides zusammen.

 
 
 

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Das Problem ist, dass alle Menschen Sünder sind. Ihre Sünden haben zur Folge, dass sie das ewige Höllenfeuer verdienen. Doch Gott möchte, dass jeder Mensch gerettet wird. Deshalb gab Er seinen eingeborenen Sohn, der für die Sünden der Welt starb, begraben wurde und am dritten Tag auferstand. Jeder, der daran glaubt, erhält Erlösung und wird vor der Hölle gerettet. Aus diesem Grund brennt in unseren Herzen das Verlangen, diese frohe Botschaft weiterzugeben, damit möglichst viele Menschen gerettet werden.

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